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Dunkel Hell

Warum ein Krankenhaus auch Spenden braucht

Dr. Svea Nübel baut den Bereich Fundraising am UKB neu auf. Im Interview erklärt sie, warum auch ein Klinikum auf Spenden angewiesen ist, wie aus kleinen Beiträgen Großes entstehen kann und was sie mit ihrer neuen Stelle erreichen möchte.

UKBmittendrin: Eine Schule in Sierra Leone hat Ihren Berufsweg geprägt. Was ist damals passiert?

Dr. Nübel: Während meines Studiums habe ich ein Praktikum bei der Hilfsorganisation Street Child gemacht und nebenbei im Fundraising unterstützt. Wir haben einen Förderantrag geschrieben, durch den tatsächlich eine Schule in Sierra Leone gebaut werden konnte. Ich war daran beteiligt – und das war ein unglaublich schönes Gefühl. Zu erleben, dass die eigene Arbeit das Leben von Kindern konkret verändern kann, hat mich geprägt. Da wusste ich: Mit meiner Arbeit kann ich wirklich etwas bewegen. Danach habe ich meinen Master gemacht, später zum Thema Fundraising promoviert und bin dabeigeblieben.

UKBmittendrin: Und schließlich ans UKB gekommen. Was hat Sie daran gereizt, das Fundraising an einem Uniklinikum von Grund auf neu aufzubauen?

Dr. Nübel: Mich hat die Chance begeistert, etwas ganz Neues zu schaffen und eigene Ideen einzubringen. Gleichzeitig wollte ich einen neuen Bereich kennenlernen: das Gesundheitswesen. Am UKB kann ich dazu beitragen, dass aus Spenden konkrete Verbesserungen für Patientinnen und Patienten, deren Angehörige, aber auch für die Mitarbeitenden selbst entstehen. Zu wissen, dass die eigene Arbeit direkt vor Ort etwas bewirken kann, finde ich besonders reizvoll.

UKBmittendrin: Geht es beim Fundraising nur ums Geld?

Dr. Nübel: Viele verstehen unter Fundraising zunächst, Spenden zu sammeln. Für mich ist Fundraising aber viel mehr. Es geht darum, Beziehungen zu Menschen aufzubauen, sie für ein Thema zu begeistern und langfristige Unterstützung zu gewinnen. Dazu gehört auch, in der Öffentlichkeit das Bewusstsein dafür zu stärken, warum bestimmte Projekte wichtig sind und gefördert werden sollten.

UKBmittendrin: Warum braucht ein Universitätsklinikum wie das UKB überhaupt Spenden? Viele Menschen gehen doch davon aus, dass ein Krankenhaus ausreichend finanziert ist.

Dr. Nübel: Das höre ich tatsächlich häufig. Als ich in meinem Freundes- und Familienkreis erzählt habe, dass ich künftig am UKB im Fundraising arbeite, kam oft die Frage: Warum braucht ein Klinikum überhaupt Spenden?

Dabei gibt es auch im Gesundheitswesen viele sinnvolle Projekte, für die die regulären Budgets nicht ausreichen. Die finanziellen Spielräume sind knapp, und zusätzliche Angebote lassen sich nicht immer aus den vorhandenen Mitteln finanzieren.

Spenden können hier einen Unterschied machen. Sie ermöglichen Dinge, die über die Grundversorgung hinausgehen und den Aufenthalt im Krankenhaus angenehmer gestalten oder die Versorgung weiter verbessern. Deshalb ist es wichtig, dieses Bewusstsein zu stärken: Auch ein Klinikum braucht Unterstützung, um zusätzliche gute Ideen umzusetzen.

UKBmittendrin: Warum sollte jemand dem UKB Geld geben, obwohl er oder sie vielleicht nie selbst hier Patientin oder Patient sein wird?

Dr. Nübel: Im Grunde funktioniert das ganz ähnlich wie bei einer internationalen Hilfsorganisation. Wenn ich beispielsweise für Menschen spende, die von einer Überschwemmung in Nepal betroffen sind, muss ich selbst keinen persönlichen Bezug zu ihnen haben. Trotzdem kann mich ihr Schicksal bewegen.

Entscheidend ist, dass wir zeigen, wo Unterstützung gebraucht wird, was mit einer Spende erreicht werden kann und warum das Thema wichtig ist. Wir erzählen die Geschichten hinter den Projekten und machen deutlich, welchen Unterschied Unterstützung bewirken kann.

Wer spendet, trägt dazu bei, eine Lösung für ein Problem zu finden. Das kann ein schönes Gefühl sein: Ich habe etwas gesehen, das verbessert werden kann, und ich habe selbst einen Beitrag dazu geleistet.

Auch die Gesundheitsversorgung betrifft uns alle als Gesellschaft. Man muss nicht selbst am UKB behandelt worden sein, um sich dafür einzusetzen, dass Patientinnen und Patienten hier bestmöglich versorgt werden.

Bildunterschrift: Dr. Svea Nübel baut den Bereich Fundraising am UKB neu auf

UKBmittendrin: Welche Geschichte würden Sie jemandem erzählen, der sagt: „Meine Spende macht doch keinen Unterschied“?

Dr. Nübel: Mit einer einzelnen Spende verändert man vielleicht nicht die ganze Welt. Aber man kann für einen Menschen einen Unterschied machen.

Nehmen wir beispielsweise die Kunst- und Kulturprojekte am UKB. Wenn ich mit meiner Spende ein Bild mitfinanziere und dieses Bild auch nur einer Person ein Lächeln ins Gesicht zaubert, habe ich bereits etwas erreicht. Dafür muss man nicht immer in großen Dimensionen denken, und der Betrag muss auch nicht besonders hoch sein.

Natürlich können aus vielen kleinen Spenden auch größere Summen werden, mit denen sich umfangreiche Projekte umsetzen lassen. Jede einzelne Spende zählt. Und wenn Menschen sehen, dass andere sich beteiligen, kann das wiederum weitere Menschen motivieren, ebenfalls mitzumachen.

UKBmittendrin: Woran sollen die Mitarbeitenden am UKB in einem Jahr merken, dass Ihre Arbeit etwas bewegt hat?

Dr. Nübel:
Natürlich ist die Höhe der eingeworbenen Spendengelder ein wichtiger Maßstab für den Erfolg. Mein persönliches Ziel geht aber darüber hinaus: Ich wünsche mir, dass Fundraising am UKB selbstverständlicher wird und die Mitarbeitenden wissen, wie sie ihre Ideen mit Unterstützung umsetzen können. Dafür möchte ich bestehende Initiativen besser vernetzen, Strukturen schaffen und eine zentrale Anlaufstelle bieten. Gemeinsam mit den verschiedenen Bereichen möchte ich Projekte sichtbarer machen, Menschen für Spenden begeistern und langfristige Beziehungen zu Förderern aufbauen. Denn Fundraising ist keine einmalige Aktion, sondern lebt von Vertrauen und Kontinuität.

UKBmittendrin: Was ist aus Ihrer Sicht die größte Hürde beim Fundraising: die fehlende Bereitschaft zu spenden oder die Tatsache, dass wir zu wenig darüber sprechen, wofür Spenden am UKB gebraucht werden?

Dr. Nübel: Ich glaube, dass die zweite Seite der entscheidende Punkt ist. Die grundsätzliche Bereitschaft zu spenden ist vorhanden, auch wenn sie unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen möglicherweise etwas zurückgeht. Aber Menschen müssen überhaupt erst erfahren, wo Unterstützung gebraucht wird. Und sie müssen auch gefragt werden.

Das kostet manchmal Überwindung. Man möchte nicht einfach auf jemanden zugehen und sagen: Gib mir Geld. Genau darum geht es im Fundraising aber auch nicht. Es geht darum, Menschen für ein Projekt zu begeistern, eine Beziehung aufzubauen und ihnen zu zeigen, wie sie zu einer Lösung beitragen können.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die langfristige Betreuung. Wenn jemand bereits für ein Projekt gespendet hat, sollten wir diese Person nicht einfach aus den Augen verlieren. Wir sollten darüber informieren, was durch die Spende erreicht wurde, welche Fortschritte es gibt und welchen konkreten Beitrag die Unterstützung geleistet hat.

So entsteht Vertrauen. Und aus einer einmaligen Spende kann eine langfristige Verbindung werden. Vielleicht begeistert sich die Person erneut für das Projekt, erzählt Freunden und Bekannten davon oder stellt Kontakte zu weiteren Unterstützerinnen und Unterstützern her.

UKBmittendrin: Ihre Botschaft an das UKB …

Dr. Nübel: Ich würde mich freuen, wenn sich alle, die bereits Fundraising-Aktionen organisieren, Fördervereine oder Stiftungen kennen oder eigene Ideen haben, bei mir melden. Ich möchte zunächst einen möglichst umfassenden Überblick darüber bekommen, was es am UKB schon gibt.

Auch wer Kontakte zu potenziellen Förderern hat oder eine Idee für ein neues Projekt mitbringt, kann sich gerne an mich wenden. Ich möchte eine Ansprechperson sein, die dabei hilft, aus einer Idee ein konkretes Vorhaben zu machen.

Fundraising ist eine gemeinsame Aufgabe. Wenn wir unsere Aktivitäten besser vernetzen, gute Geschichten erzählen und Menschen dafür begeistern, das UKB zu unterstützen, können wir zusammen viel bewegen.

Kontakt
E-Mail: Svea.Nuebel@ukbonn.de

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