UKB-Schlafforscher Michael Sommerauer erklärt, warum die Normalzeit besser zu unserem Schlafrhythmus passt
Die Uhr zeigt erst sechs, der Körper ist schon wach. Oder es ist längst Zeit fürs Bett, aber die Müdigkeit lässt auf sich warten. Wenn am Sonntag, 25. Oktober, die Uhren eine Stunde zurückgestellt werden, stellt sich unser Schlafrhythmus nicht automatisch mit um. Prof. Michael Sommerauer, Schlafforscher am Universitätsklinikum Bonn (UKB), erklärt, warum die Rückkehr zur Normalzeit vielen trotzdem leichter fällt – und weshalb lange helle Sommerabende für unseren Schlaf nicht nur Vorteile haben.
Unsere innere Uhr beeinflusst, wann wir wach und leistungsfähig sind und wann wir müde werden. Sie lässt sich allerdings nicht mit einem Handgriff umstellen. Ihr Rhythmus unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und entspricht nicht exakt einem 24-Stunden-Tag.
„Unsere innere Uhr braucht äußere Zeitgeber, um sich einzustellen. Der wichtigste ist das Licht“, erklärt Prof. Sommerauer. Der Körper orientiert sich also am Wechsel von Helligkeit und Dunkelheit – während wir unseren Alltag nach Uhrzeiten organisieren.
Warum die Winterzeit eigentlich Normalzeit heißt
In der Nacht zum 25. Oktober werden die Uhren von drei auf zwei Uhr zurückgestellt. Was wir umgangssprachlich Winterzeit nennen, ist die mitteleuropäische Normalzeit. Die Sommerzeit ist die Abweichung davon: Für sie werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Im Herbst kehren wir somit zu der Zeit zurück, die sich stärker am Sonnenverlauf orientiert.
Lange richteten sich die Uhren unmittelbar nach der Sonne: Stand sie am höchsten, war es ungefähr zwölf Uhr mittags. Jeder Ort hatte dadurch seine eigene Zeit. Wenige Minuten Unterschied spielten kaum eine Rolle, solange Reisen langsam waren.
Mit der Eisenbahn änderte sich das. Wer größere Strecken schnell zurücklegte, brauchte eine gemeinsame Zeit – schon damit Abfahrt und Ankunft im Fahrplan zusammenpassten. Die Sommerzeit kam später hinzu, mit dem Ziel, das Tageslicht besser zu nutzen und Energie zu sparen.

„Die Zeitumstellung wurde aus wirtschaftlichen und militärischen Überlegungen eingeführt. Die Bedürfnisse unserer inneren Uhr standen dabei nicht im Mittelpunkt und wir wissen mittlerweile recht gut, dass sie unseren Bedürfnissen zuwiderläuft“, sagt Prof. Sommerauer.
Der Abend bleibt hell, der Wecker bleibt früh
Lange draußen sitzen, nach Feierabend noch etwas unternehmen: Viele Menschen verbinden die Sommerzeit mit angenehmen Abenden. Doch das Abendlicht beeinflusst auch unseren Schlafrhythmus.
„Wenn es abends lange hell ist, bekommt die innere Uhr das Signal, sich weiter nach hinten zu verschieben. Morgens klingelt der Wecker aber trotzdem zur gleichen Zeit. Dadurch kann uns am Ende Schlaf fehlen“, erklärt Prof. Sommerauer.
Die Sommerzeit schafft kein zusätzliches Tageslicht. Sie verändert, zu welcher Uhrzeit wir es erleben. Unser Körper kann dadurch später auf Schlaf eingestellt sein, während Arbeit oder Schule morgens unverändert früh beginnen. Für guten Schlaf kommt es deshalb auch darauf an, wie gut Tageslicht und Alltagszeiten zusammenpassen.
Eine Stunde mehr – aber nicht für jeden mehr Schlaf
Im Herbst fällt die Umstellung vielen leichter. „Eine Stunde länger schlafen zu dürfen, fällt uns in der Regel leichter, als eine Stunde früher aufstehen zu müssen“, sagt Prof. Sommerauer.
Trotzdem schläft nicht jeder automatisch länger. Spättypen können die zusätzliche Stunde eher nutzen. Wer ohnehin früh wach wird, wacht möglicherweise weiterhin zur gewohnten biologischen Zeit auf – nach der neuen Uhrzeit also noch früher. Auch bei der Rückkehr zur Normalzeit muss sich die innere Uhr daher an den veränderten Alltag anpassen.
Langfristig hält Prof. Sommerauer die Normalzeit für die bessere Wahl: „Wenn wir uns dauerhaft auf eine Zeit einigen würden, was für uns viele besser wäre, als der zweimalige Wechsel pro Jahr, spricht aus schlafmedizinischer Sicht alles für die Normalzeit. Sie passt besser zum natürlichen Wechsel von Licht und Dunkelheit.“