Wie Miriam Golis die Zukunft von Digitalisierung und KI am UKB sieht

Seit April 2026 leitet Miriam Golis den neuen Bereich Digitalisierung und KI am UKB. Ziel ist es, digitale Initiativen zu bündeln, eine klare Strategie zu entwickeln und Mitarbeitende dabei zu unterstützen, gute Ideen schneller in die Umsetzung zu bringen. Im Gespräch erklärt sie, warum KI vor allem entlasten soll – und weshalb der Mensch im Gesundheitswesen unverzichtbar bleibt
UKBmittendrin: Frau Golis, Hand aufs Herz: Müssen Mitarbeitende Angst haben, dass KI ihnen irgendwann den Job wegnimmt?
M. Golis: Wir erleben aktuell einen enormen Fachkräftemangel. KI ist für mich deshalb in erster Linie ein Werkzeug zur Entlastung. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Arbeitsplätze verschwinden, sondern: Welche Aufgaben müssen wir künftig nicht mehr selbst erledigen? Wenn KI-Routinearbeiten übernimmt, gewinnen wir Zeit für das, was wirklich zählt – gerade im Gesundheitswesen: Arbeit am Menschen
UKBmittendrin: Wenn KI morgen Ihre neue Kollegin wäre: Welche Aufgabe würden Sie ihr als Erstes geben?
M. Golis: Alles, was strukturiert und wiederholbar ist Informationen recherchieren, Dokumente zusammenfassen, Daten analysieren oder Entwürfe für ein Konzept vorbereiten.
UKBmittendrin: Und welche Aufgabe bekäme sie ganz sicher nie?
M. Golis: Alles, was echte zwischenmenschliche Interaktion erfordert. Empathie, Verantwortung und die finalen menschlichen Entscheidungen lassen sich nicht durch KI ersetzen. Gerade im Gesundheitswesen bleibt der Mensch unverzichtbar.
UKBmittendrin: Wie wird sich das Arbeiten am UKB in den nächsten fünf Jahren verändern?
M. Golis: Ich glaube, dass digitale Assistenten künftig selbstverständlich sein werden – ähnlich wie wir heute E-Mails oder Smartphones nutzen. Sie werden Informationen aufbereiten, Texte vorbereiten, Termine koordinieren oder Routineaufgaben übernehmen. Nicht statt der Mitarbeitenden, sondern gemeinsam mit ihnen.
UKBmittendrin: Wie könnte ein Besuch am UKB in fünf Jahren aussehen?
M. Golis: Ein Teil der Patientenreise beginnt künftig schon zu Hause. Denkbar ist zum Beispiel, dass jemand zu Hause per Smartphone oder Fernseher Symptome schildert. Eine KI könnte erste Informationen erfassen, passende Termine organisieren und Patientinnen und Patienten durch den gesamten Behandlungsprozess begleiten – viele organisatorische Schritte laufen im Hintergrund automatisch.
UKBmittendrin: Viele denken bei Digitalisierung zuerst an die IT. Warum braucht das UKB zusätzlich einen Bereich Digitalisierung und KI?
M. Golis: Der Bereich Digitalisierung und KI beschäftigt sich mit der Frage: WAS wollen wir eigentlich verändern und warum? Ich sehe unseren Bereich als Übersetzer zwischen Anwenderinnen und Anwendern in Klinik, Forschung, Lehre, Verwaltung und IT.
UKBmittendrin: Sie haben in Ihren ersten Wochen mit mehr als 60 Mitarbeitenden gesprochen. Was hat Sie dabei am meisten überrascht?
M. Golis: Vor allem, dass hier unglaublich viele Menschen arbeiten, die wirklich Lust haben, etwas zu bewegen. Das wurde mir schon vor meinem Start gesagt – und es hat sich absolut bestätigt. Ich erlebe viele Menschen, die Digitalisierung aktiv voranbringen wollen – und genau darauf bauen wir auf.
UKBmittendrin: Was macht das UKB beim Thema Digitalisierung und KI schon besonders gut?
M. Golis: Wir sind deutlich weiter, als viele denken. Es gibt bereits zahlreiche digitale Lösungen und Initiativen. Besonders beeindruckt hat mich, wie viel Know-how hier vorhanden ist. Ein gutes Beispiel dafür ist UKBGPT.
| Was ist UKBGPT? UKBGPT ist der KI-Assistent des UKB. Über eine einfache Chat-Oberfläche unterstützt er Mitarbeitende beispielsweise dabei, Texte zusammenzufassen, Informationen zu recherchieren oder erste Entwürfe zu erstellen. Das Besondere: UKBGPT wurde am UKB selbst entwickelt und wird auf der eigenen Infrastruktur betrieben. Dadurch bleiben die Daten sicher am UKB und werden nicht an externe KI-Anbieter weitergegeben. Mehr dazu: https://ukbmittendrin.de/datenschutzsicher-und-quelloffen/ |
Das zeigt, dass wir nicht nur Nutzer von KI sind, sondern Kompetenzen im Haus haben, solche Lösungen selbst aufzubauen und weiterzuentwickeln.
UKBmittendrin: Und wo sehen Sie noch Luft nach oben?
M. Golis: Wir haben bereits viele gute Ideen und spannende Piloten. Die Herausforderung ist, diese nicht nur als einzelne Leuchttürme zu betrachten, sondern sie konsequent weiterzudenken und zentral nutzbar und skalierbar zu machen. Gleichzeitig fehlt oft noch der Überblick: Was gibt es bereits? Wer arbeitet woran? Und an wen kann ich mich mit einer Idee wenden? Genau hier möchte ich ansetzen – mit mehr Transparenz, klaren Ansprechpartnern und Strukturen, die gute Ideen schneller in die Umsetzung bringen.
UKBmittendrin: Zum Abschluss noch 5 schnelle Fragen:
Telefonanruf oder Webex-Nachricht?
M. Golis: Webex-Nachricht.
UKBmittendrin: 100 E-Mails oder 10 Meetings?
M. Golis: 10 Meetings.
UKBmittendrin: Digitalisierung in einem Jahr oder Perfektion in fünf Jahren?
M. Golis: Digitalisierung in einem Jahr.
UKBmittendrin: KI schreibt Ihre E-Mails oder Ihre Präsentationen?
M. Golis: Im besten Falle beides.
UKBmittendrin: Eine Woche ohne WLAN oder eine Woche ohne Kaffee?
M. Golis: (lacht) das ist eindeutig die schwierigste Entscheidung. Aber auch wenn ich eigentlich immer einen Kaffeebecher dabei habe: Eine Woche ohne Kaffee.