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Anästhesie Einsparung von nahezu 100 Tonnen CO2-Emission

In einem ersten Projekt im 1. Halbjahr 2020 hat die Klinik für Anästhesie am UKB eine Analyse des Verbrauchs der Inhalationsanästhetika durchgeführt. Es konnte gezeigt werden, dass sich 80 Prozent der Emissionen an CO2-Äquivalenten auf das Narkosegas Desfluran zurückführen lassen. Durch den konsequenten Verzicht auf Desfluran ist es bereits im 2. Halbjahr 2020 gelungen, Emissionen von nahezu 100 Tonnen CO2-Äquivalenten einzusparen (s. Diagramm). Zum Vergleich: Ein Berufspendler mit einer durchschnittlichen Wegstrecke von 40 km verursacht im Jahr 1,5 Tonnen CO2-Äquivalent.  Die zeitgleich forcierte Nutzung einer speziellen „Minimal-Flow“-Technik reduzierte dabei den kompensatorischen Anstieg des Verbrauchs der anderen Narkosegase.

Dieser Erfolg ist für einen Maximalversorger wie das UKB enorm wichtig und zukunftsweisend. Denn Kliniken für Anästhesiologie und Intensivmedizin sind durch einen besonders hohen Energieverbrauch gekennzeichnet, da sie zum einen hochtechnisiert und ressourcenintensiv arbeiten. Ihr Energieverbrauch übersteigt dabei den Verbrauch anderer Kliniken um das drei- bis sechsfache. Zum anderen sind die zur Allgemeinanästhesie verwendeten Narkosegase, wie z. B.  Desfluran, Isofluran und Sevofluran aufgrund ihrer chemischen Beschaffenheit hochpotente Treibhausgase. Im Jahr 2014 verursachten Narkosegase Emissionen von drei Mio. Tonnen CO2-Äquivalent weltweit! Ihr klimaschädigender Effekt ist dabei aufgrund ihres Erwärmungspotentials der Erdatmosphäre, je nach Beschaffenheit des Gases, um 130- bis 2.500-fach höher als der von CO2. Durch ihren Einfluss auf die Narkoseführung und die hierzu verwendeten Medikamente besteht für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Anästhesie die besondere Verantwortung, diese klimaschädlichen Auswirkungen der Narkosegase zu reduzieren.

CO2- Emissionen in Tonnen für das 1. und 2. Halbjahr 2020

CO2- Emissionen in Tonnen für das 1. und 2. Halbjahr 2020

Die drastischen Einsparungen an Desfluran führten zur Reduktion der Emissionen um nahezu 100 Tonnen CO2-Äquivalent. Der kompensatorische Verbrauchsanstieg an Isofluran fiel wegen des geringeren Treibhausgaspotentials im Vergleich zu Desfluran nicht relevant ins Gewicht. Der Verbrauch an Sevofluran im 2. Halbjahr blieb wegen des angewandten Minimal-Flow-Verfahrens annähernd konstant, sodass sich hierdurch keine Auswirkungen auf die Emissionen von CO2-Äquivalente ergab.

In Zusammenarbeit mit dem GB6-Team von Charlotte Kaspari, der „AG Nachhaltigkeit“ des UKB Green suchen wir auch zukünftig nach Wegen, CO2– Emissionen zu reduzieren. Durch die Vernetzung von Mitarbeitern der unterschiedlichsten Fachbereiche und Berufsgruppen wie z. B. Vertretern der Verwaltung, der Energie- und Abfallwirtschaft, des Caterings, des Einkaufs, der Apotheke, aber auch der verschiedenen medizinischen Fachrichtungen mit Orthopäden, Pneumologen, Intensivmedizinern und Studenten der Gruppe Health For Future entstehen Kooperationen und großartige Projekte. Diese ermöglichen es dem UKB, seine CO2-Emissionen zu reduzieren und ein klimaneutrales Krankenhaus zu werden.

Dr. med. Birgit Bette, Philippe Kruse, PD Dr. med. Se-Chan Kim, Univ.-Prof. Dr. med. Mark Coburn

 

Literatur
  1. MacNeill AJ, Lillywhite R, Brown CJ: The impact of surgery on global climate: a carbon footprinting study of operating theatres in three health systems. Lancet Planet Health 2017;1(9):e381–e38
  2. Richter H, Weixler S, Schuster M: Der CO2-Fußabdruck der Anästhesie. Wie die Wahl volatiler Anästhetika die CO2-Emissionen einer anästhesiologischen Klinik beeinflusst. Anästh Intensivmed 2020;61:154–161. DOI:10.19224/ai2020.154

 

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