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Dunkel Hell

Interview mit Prof. Alexandra Philipsen

Sie sind sowohl kommissarische Ärztliche Direktorin des UKB als auch Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Welche Herausforderungen haben Sie als Frau in einer so hochrangigen Doppel-Führungsposition erlebt?

In dieser Doppel-Führungsfunktion ist es wichtig, mit einem starken und verlässlichen Team gemeinsam zu arbeiten, und das habe ich während der kommissarischen Vorstandsarbeit wahrgenommen. In den zugeordneten Bereichen und in der Klinik habe ich es als sehr hilfreich erlebt, klare Prozess- und Delegationsstrukturen zu haben bzw. zu etablieren, um effektiv arbeiten zu können. Vertrauen sowie verlässliche und transparente Kommunikationsstrukturen sind dabei entscheidend. Das führt dazu, auch in schwierigen Situationen oder Krisen darauf vertrauen zu können, informiert zu werden, um gemeinsam gute Lösungen zu finden.

Glauben Sie, dass Frauen in Führungsetagen im Gesundheitswesen immer noch auf besondere Hindernisse stoßen? Wenn ja, welche sind das und wie lassen sich diese überwinden?

Frauen begegnen meiner Einschätzung nach noch bestimmten Herausforderungen und ggf. Hindernissen. Die Medizin wird zwar zunehmend weiblicher, die Chefetagen sind noch mehrheitlich männlich besetzt. Besonders in Bezug auf die Rolle der Frau in der Familie als Mutter gibt es nach wie vor gesellschaftliche Erwartungen, z. B. dass Frauen den Hauptteil der sog. Care Arbeit zu Hause übernehmen. Diese traditionellen Rollenbilder sind immer noch tief verwurzelt, was es für Frauen schwieriger machen kann, sich beruflich zu behaupten. Sobald ein Paar ein Kind bekommt, werden oft tradierte und traditionelle Familienrollen wiederbelebt. Auch die beste Förderung von Frauen kann hier nicht allein helfen, wenn zu Hause die Aufgaben nicht gemeinsam gestemmt werden. Schaffung von Rahmenbedingungen, die für alle Familienmodelle offen sind, sind hier hilfreich. Dazu gehört auch, dass akzeptiert wird, wenn Männer längere Elternzeiten in Anspruch nehmen.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften, die Frauen in Führungspositionen entwickeln können, um erfolgreich zu sein, besonders in einem anspruchsvollen Bereich wie der Medizin?

Jede Führungsperson ist anders. Ich persönlich denke, dass für erfolgreiche Führung, egal ob Frau, Mann oder divers, eine Reihe von Eigenschaften hilfreich sind. Die Fähigkeit, zu priorisieren und ein Team verlässlich führen zu können, ist genauso wichtig wie Erfolge zu teilen und mit Niederlagen umgehen zu können. In einem schnelllebigen Arbeitsumfeld müssen Führungskräfte fast minütlich Entscheidungen treffen und Aufgaben nach ihrer Wichtigkeit und Dringlichkeit ordnen. Diese Eigenschaften ermöglichen es, die Vielzahl an Aufgaben, die Ihnen in einer Führungsposition begegnen, erfolgreich zu bewältigen.

In einer Branche, die traditionell von Männern dominiert wurde, gibt es mittlerweile eine wachsende Zahl von Frauen in Führungsrollen. Was hat sich Ihrer Meinung nach verändert und welche weiteren Fortschritte sind notwendig?

Es ist in der Tat erfreulich zu sehen, dass immer mehr Frauen in Führungspositionen im Gesundheitswesen vertreten sind. Der wichtigste Wandel ist, dass Frauen heute in der Medizin zunehmend auch als Führungspersönlichkeiten anerkannt werden. Dennoch gilt es, weiterhin Fortschritte zu machen. Es muss eine kontinuierliche Veränderung im Denken und in den Strukturen erfolgen. Frauen sollten die Möglichkeit erhalten, wenn sie es möchten, ihre Karriereziele zu verfolgen. Politische und gesellschaftliche Unterstützung, wie etwa durch flexible Arbeitszeiten und bessere Kinderbetreuungsangebote, sind sehr wichtig, um weitere Fortschritte zu ermöglichen.

Welche Botschaft möchten Sie jungen Frauen mitgeben, die eine Karriere in der Medizin anstreben und sich ebenfalls eine Führungsrolle vorstellen können?

Ich möchte jungen Frauen raten, das zu tun, was ihnen beruflich Freude bereitet und was sie interessiert. In meiner Karriere habe ich nicht bewusst auf eine Führungsposition hingearbeitet, sondern mich von meinen Interessen und der inhaltlichen Weiterentwicklung leiten lassen. Auf diesem Weg gab es glücklicherweise immer mal wieder Menschen, die das gefördert haben. Zuversicht ist wichtig. Wer eine Führungsrolle anstrebt, sollte auch den Mut haben, dies zu äußern und dafür einzutreten. Begeisterung und Leidenschaft für einen Bereich helfen, Durststrecken zu überwinden. Aber vor allem: Nicht unterkriegen lassen!

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