Zwei junge Frauen lernen ihren zukünftigen Beruf am UKB – eine davon in einem eher frauenuntypischen Beruf
Beide sind in Bonn geboren und machen ihre Ausbildung zu ihrem Traumberuf am Universitätsklinikum Bonn: die MTL-Auszubildende Joceline Dury und die Medizinstudentin im letzten Jahr des Studiums Julia Rogaczewski. Über ihre Motivation, ihren Alltag und ihre Zukunftspläne sprachen die beiden jungen Frauen mit UKBmittendrin:
Seit wann haben Sie den Traum, Herzchirurgin zu werden?
Julia Rogaczewski: „Mein Traum, Medizin zu studieren, begann bereits mit sieben Jahren. Mit zwölf stand für mich fest, dass ich Herzchirurgin werden möchte. Das Herz ist für mich das faszinierendste Organ – nicht nur, weil es Leben erhält und sehr viel leistet, sondern auch wegen seiner unglaublichen Komplexität. Schon als Kind habe ich mir Videos von Herzoperationen angeschaut und wollte jeden Schritt verstehen. Ich habe im Biologieunterricht sogar eine Präsentation über Herztransplantationen gehalten.“
Seit wann interessieren Sie sich für die Mikrobiologie?
Joceline Dury: „Auf der weiterführenden Schule fand ich die Biologie schon immer faszinierend und habe mich im Unterricht immer gerne mit dem Aufbau einer Zelle beschäftigt. Irgendwann dachte ich darüber nach, wie ich mein Interesse mit meinem späteren Beruf verbinden kann und da hat meine MTL-Ausbildung meine Vorstellungen komplett übertroffen. Es macht mir Spaß zu sehen, wie vielfältiger das alles ist als ich es mir je hätte vorstellen können. Es gibt Aspekte, über die ich vorher nie nachgedacht habe, wie beispielsweise die Mikrobiologie, wodurch das Entdecken von Antibiotika die Medizin weitergebracht hat, sowie die beeindruckende Anpassungsfähigkeit der Bakterien oder auch die Bedeutung, die sie für das Leben auf der Erde tragen.“
Was macht eigentlich ein/e Medizinische/r Technologe/Technologin für Laboratoriumsanalytik – kurz MTL?
Joceline Dury: „Als MTL arbeitet man primär in medizinischen Laboren und führt verschiedene diagnostische Untersuchungen je nach Bereich durch. Beispiele für Untersuchungsmaterialien wären Blut-, Urin- und Gewebeproben oder auch andere Körperflüssigkeiten sowie Abstriche. Am meisten macht mir die manuelle Arbeit viel Spaß, zum Beispiel in der Virologie oder in der Serologie im IHT. Das Arbeiten mit den verschiedensten Geräten ist auch beeindruckend. Toll ist dann, wenn man ein auftretendes Problem selber lösen kann, aber da spielt auch viel Erfahrung mit ein.
Der Beruf hat mich überzeugt, weil vor allem die Ausbildung sehr facettenreich ist und man nach der Ausbildung ein breites Spektrum an Arbeitsbereichen wie Klinische Chemie, Hämatologie, Histologie und Mikrobiologie zur Auswahl hat. Außerdem finde ich die Kombination aus Medizin und Technologie hinter den Kulissen sehr ansprechend.“
Warum machen Sie Ihr Studium beziehungsweise Ihre Ausbildung am UKB?
Julia Rogaczewski: „Ich habe im Oktober 2019 mit dem Studium begonnen und bin über das beste Abitur meines Gymnasiums direkt reingekommen. Mein Studium absolviere ich in der Regelstudienzeit, und durch meine Begeisterung und Passion für die Medizin gelingt es mir sehr gut. Die Universität Bonn und das UKB bieten eine exzellente Ausbildung, vor allem auch im Bereich der Chirurgie, weshalb ich mich bewusst für diesen Standort entschieden habe.“
Joceline Dury: „Ich habe im September 2023 mit der Ausbildung angefangen und befinde mich derzeit im 2. Ausbildungsjahr. Das UKB hat sich gut angeboten, da ich einige Bekannte habe, die selber hier arbeiten und von denen bekam ich nur gutes Feedback. Ich habe dann angefangen mir die Ausbildungsangebote anzuschauen und bin so auf die MTL-Ausbildung gestoßen, was mich direkt überzeugt hat mich hier zu bewerben.“
Wie sieht so ein typischer Tag aktuell bei Ihnen aus?
Joceline Dury: „Es variiert je nachdem ob wir Schule haben oder nicht. In den Einsätzen, zum Beispiel im mikrobiologischem Labor, geht es bei der Probenannahme um 7:30 los. Im Laufe des Tages nimmt sich die Praxisanleitung Zeit, um mit uns Auszubildenden einzelne Prozesse wie Antibiotikaresistenz-Testungen am Gerät oder auch manuell durchzugehen. Zudem werden wir in verschiedene Arbeitsabläufe zum Ablesen bewachsener Agarplatten eingearbeitet, damit wir auf unsere praktischen Examensprüfungen vorbereitet sind. Wenn es dazwischen Freiraum gibt, dokumentieren wir unseren Laboreinsatz. Um 15:42 ist dann Feierabend. Während der Schulzeit, haben wir vormittags Praxis im Schullabor zu Klinischer Chemie, Mikrobiologie, Histologie oder Hämatologie und nach der Mittagspause noch Theorieunterricht. Ein Tag in der Woche ist ein voller Theorietag.“
Julia Rogaczewski: „Mein Tag ist sehr strukturiert: Ich studiere, arbeite 19 Stunden pro Woche in der Herzchirurgie klinisch sowie in der Forschung und lerne für das zweite Staatsexamen. Im Rahmen der Forschung baue ich ein Register über die Aorta auf und arbeite an neuen, innovativen herzchirurgischen Operationsmethoden. Auch meine Doktorarbeit befasst sich mit diesem Thema. In meiner speziell geschaffenen Stelle assistiere ich bei Operationen, helfe auf Station, schreibe Arztbriefe, begleite Visiten, ziehe Herzdrähte und Drainagen, nehme neue Patient*innen auf, inklusive Anamnese und Untersuchung. Alle Aufgaben unter einen Hut zu bekommen erfordert Disziplin, aber durch eine gute Organisation gelingt es mir. So konnte ich auch Famulaturen und Praktika an einigen der weltbesten Krankenhäuser absolvieren, darunter an der Harvard Medical School am Massachusetts General Hospital (MGH) in Boston, der Mayo Clinic in Rochester, in Austin, Texas, und am University Health Network (UHN) in Toronto und an einigen deutschen und schweizer Krankenhäusern in der Herzchirurgie“
Wie geht es in Ihrem Werdegang weiter?
Julia Rogaczewski: „Mein praktisches Jahr werde ich teilweise in Zürich in der Herzchirurgie absolvieren. Im Anschluss daran steht die Assistenzarztzeit in der Herzchirurgie an. Mein langfristiges Ziel ist es, zunächst als Assistenzärztin zu arbeiten, eine Professur zu erreichen und als Oberärztin tätig zu werden. Mein Lebensziel, das seit meiner Kindheit in mir brennt, ist es, schließlich Chefärztin in der Herzchirurgie zu werden – ein Traum, den ich von ganzem Herzen verfolge.“
Joceline Dury: „Aktuell habe ich nicht geplant, nach der Ausbildung noch zu studieren, sondern ich plane vorerst Vollzeit zuarbeiten. Jedoch möchte ich mir alle Türen offenhalten und schaue was noch auf mich zukommt.“
Der Frauenanteil in ihrem Beruf ist hoch. Woran liegt das, Ihrer Meinung nach?
Joceline Dury: „Ich würde sagen, dass es an dem historischen Hintergrund unseres Berufes liegt. Medizinische-technische Berufe wurden früher immer als „frauentypische“ Berufe betrachtet. Der akademische Zugang zur Medizin oder Naturwissenschaft war für Frauen damals erschwert, weshalb sie dann oft in assistierenden Tätigkeiten arbeiteten. Ich denke dieser Hintergrund ist immer noch sehr ausschlaggebend dafür, dass unser Beruf auch heute noch sehr frauen-dominiert ist. Aber ich denke auch, dass sich mehr Männer mittlerweile für den Labor-Beruf interessieren.“
Wie sieht das in der Herzchirurgie aus?
Julia Rogaczewski: „Ganz anders: Die Ansicht ‘Chirurgie ist Männersache’ ist ein veraltetes Klischee. In der Chirurgie zählt Leistung, Präzision und Hingabe – und das ist nicht geschlechtsabhängig. Zudem gibt es Frauen, die sowohl hervorragende Herzchirurginnen als auch Mutter sind. Es ist eine Herausforderung, aber mit guter Planung und Unterstützung ist es möglich. Dafür gibt es sogar einige Beispiele am UKB. Natürlich ist der Beruf gemäß der Ansicht ‘Als Chirurgin hast du keine Freizeit mehr’ zeitintensiv, aber wer mit Leidenschaft dabei ist, empfindet die Arbeit nicht als Last. Freizeit ist eine Frage der Organisation und Priorisierung.“
Was würden Sie jungen Frauen sagen, die davon träumen, in der Chirurgie zu arbeiten, sich aber nicht trauen?
Julia Rogaczewski: „Ich würde ihnen sagen: Traut euch! Es wird Herausforderungen geben, aber wenn ihr für die Chirurgie brennt, lohnt sich jeder Schritt. Umgebt euch mit Menschen, die euch unterstützen, und lasst euch nicht von Stereotypen abschrecken. Die Medizin braucht talentierte und engagierte Frauen – auch in der Chirurgie.“
Bildunterschriften für Einzelbilder: Bildautor ist Rolf Müller