Wie läuft es nach den ersten Wochen?
von Felix Heyder
Der spektakuläre Umzug liegt erst wenige Wochen zurück und doch ist im neuen Herzzentrum des UKB längst der klinische Alltag eingezogen. Seit dem 19. Januar 2026 läuft der reguläre Betrieb im Neubau auf dem Venusberg. Was zuvor über Jahre geplant, gebaut und vorbereitet wurde, muss sich nun Tag für Tag im realen Betrieb bewähren. Die erste Bilanz fällt eindeutig aus: Die neuen Strukturen funktionieren und sie machen einen spürbaren Unterschied für Patientinnen und Patienten ebenso wie für die Mitarbeitenden.
Der Umzug selbst war ein medizinischer und logistischer Kraftakt. Von Freitag bis Sonntag wurden mehr als 160 Patientinnen und Patienten, darunter zahlreiche Intensivpatienten, in das neue Gebäude verlegt. Der General-Anzeiger sprach in diesem Zusammenhang treffend von einem „Umzug am offenen Herzen“. Denn während auf den Fluren noch Betten, Monitore und medizinische Geräte transportiert wurden, liefen in den neuen Operationssälen bereits die ersten hochkomplexen Eingriffe. Schwerstkranke Menschen, teilweise intubiert und an eine ECMO angeschlossen, wurden durch Gänge und Aufzüge in das neue Zentrum gebracht; das alles war minutiös geplant, vielfach geprobt und mit höchster Professionalität umgesetzt. Jede Verlegung war dabei ein sensibles Unterfangen, wofür pro Patient bis zu fünf Kolleginnen und Kollegen notwendig waren.
Heute ist aus dieser Ausnahmesituation Routine geworden. Und genau jetzt zeigt sich der eigentliche Mehrwert des Neubaus: Hightech-Medizin mit kurzen Wegen. Kardiologie und Herzchirurgie, die seit über 20 Jahren organisatorisch zusammenarbeiten, sind nun auch räumlich unter einem Dach vereint. Diagnostik, Intervention und operative Therapie liegen Tür an Tür – ein Vorteil, der im Ernstfall lebensrettend sein kann.
Wie konkret sich das auswirkt, zeigt das Beispiel einer jungen Patientin Mitte 20, die als EMAH-Patientin (Erwachsene mit einem angeborenen Herzfehler) erstmals zur Kontrolle kam. Bei der Routineuntersuchung in der kardiologischen Ambulanz wurde im Ultraschall ein Einriss der Aorta festgestellt, ein lebensbedrohlicher Befund. Im neuen Herzzentrum konnte unmittelbar reagiert werden: eine Etage höher bestätigte das Herz-MRT den Verdacht. Die Herzchirurgie, ebenfalls auf derselben Ebene, wurde direkt hinzugezogen. Für die exakte Operationsplanung erfolgte anschließend noch ein CT. Und so lag die junge Patientin nur wenige Stunden nach der Erstdiagnose bereits im OP und erhielt ihre lebensrettende Operation. Was früher mit längeren Wegen, zusätzlichen Transporten und mehr Zeitaufwand verbunden gewesen wäre, geschah nun innerhalb kürzester Zeit. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie sehr die räumliche Nähe der Disziplinen Abläufe beschleunigt und die Patientensicherheit erhöht. So kann das neue Herzzentrum im wahrsten Sinne des Wortes Leben retten.
Mit 38.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche, sieben Etagen, rund 1.000 Räumen sowie insgesamt 200 Betten, davon 36 Intensivbetten, zählt das Gebäude zu den modernsten Herzzentren Deutschlands. Fünf Herzkatheterlabore, zwei Hybrid-OPs, drei herzchirurgische OP-Säle und ein eigenes Herz-MRT ermöglichen eine Versorgung auf internationalem Spitzenniveau. Die „Donut“-Architektur mit zwei Innenhöfen sorgt für viel Tageslicht, alle Patientenzimmer liegen an der Außenseite und verfügen über bodentiefe Fenster mit Panoramablick. Nach rund zehn Jahren Planung und Bauzeit sowie Investitionen von 190 Millionen Euro Baukosten und 41 Millionen Euro für die Ersteinrichtung ist damit ein zentraler Baustein des Masterplans „Zentralklinikum“ Realität geworden.
Doch das neue Herzzentrum ist mehr als Zahlen, Technik und Architektur. Es ist vor allem ein gemeinsames Projekt der Menschen, die hier arbeiten. Das zeigte sich nicht nur beim Umzug, sondern auch in den ersten Tagen danach. Über 500 Hoodies mit dem markanten roten Logo des Herzzentrums wurden an die Kolleginnen und Kollegen verteilt. Seitdem begegnet man ihnen überall: im Foyer, in der Mensa und auf den Stationen. Die neuen Jacken sind sichtbares Zeichen eines starken Wir-Gefühls und auch Ausdruck des Stolzes auf das gemeinsam Erreichte.
Nach den ersten Wochen steht fest: Das neue Herzzentrum ist in Betrieb. Und es zeigt schon jetzt, was möglich wird, wenn Spitzenmedizin, kurze Wege und ein engagiertes Team zusammenkommen.