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Dunkel Hell

Interview mit Prof. Christof Burger anlässlich seiner Emeritierung

UKBmittendrin: Herr Professor Burger, erzählen Sie doch bitte etwas über Ihren Werdegang. Was haben Sie vor Ihrer Zeit am UKB gemacht und wie sind Sie nach Bonn gekommen?

Prof. Burger: Nach dem Abitur war ich zunächst in Spanien, wo meine Eltern einen zweiten Wohnsitz hatten. Ich habe zuerst zwei Semester Biologie in Valencia studiert, mich dann aber für Medizin entschieden und in Valencia und Madrid weiterstudiert.

Promoviert habe ich später in Köln. Nach dem Studium begann ich meine ärztliche Tätigkeit in einem kleineren Krankenhaus im Bergischen Land in der Chirurgie. Dort wurde ich Allgemein- und Viszeralchirurg. Anschließend spezialisierte ich mich auf die Unfallchirurgie und wechselte in ein anderes Haus in Bergisch Gladbach.

Von dort ging ich an die Universitätsklinik Köln. Zwischendurch war ich ein halbes Jahr im Entwicklungsdienst in El Salvador für die UNO tätig. Zudem war ich ein halbes Jahr Gastprofessor an der Harvard University. 2008 wurde ich schließlich hierher berufen – und bin seitdem am UKB tätig.

Ich habe mich hier von Anfang an sehr wohlgefühlt und mich bewusst entschieden, weiterhin hier tätig zu bleiben. Darüber hinaus pflege ich enge Verbindungen zu Fachgesellschaften in Spanien und Lateinamerika und bin Präsident der Lateinamerikanischen Gesellschaft, die 27 Länder umfasst.

UKBmittendrin: Warum haben Sie sich ursprünglich für die Chirurgie – und speziell für die Unfallchirurgie – entschieden?

Prof. Burger: Ich wollte etwas Handwerkliches machen. Natürlich ist das etwas überspitzt formuliert – denn Unfallchirurgie ist keineswegs nur „Schrauben und Nägel einsetzen“. Gerade an einer Universitätsklinik sind die Entscheidungen hochkomplex. Wir gehören zu den Kliniken mit den höchsten Fallzahlen in Deutschland. Unsere Patientinnen und Patienten sind selten „Standardfälle“ – häufig sind es komplexe Verläufe, Infektionen oder Fälle, die anderswo nicht mehr behandelt werden können.

Was mich an der Unfallchirurgie fasziniert hat: Man sieht unmittelbar ein Ergebnis. Ein Patient kommt mit dem Rettungswagen oder dem Hubschrauber, wird operiert – und am nächsten Morgen kann ich im Röntgenbild sehen, ob die Operation gelungen ist. Dieses unmittelbare Feedback ist etwas Besonderes.

UKBmittendrin: Wenn Sie auf Ihre Zeit am UKB zurückblicken: Welche Meilensteine waren für Sie besonders prägend? Worauf sind Sie besonders stolz?

Prof. Burger: Als ich im Jahr 2000 das erste Mal nach Bonn kam, war die Unfallchirurgie gerade eigenständig geworden, nachdem sie zuvor Teil der Chirurgie gewesen war. Die Klinik war relativ klein – ebenso wie die Orthopädie.

Gemeinsam ist es uns gelungen, beide Bereiche erheblich auszubauen. Vor rund 25 Jahren waren es noch kleine Abteilungen – heute gehören wir zu den größten orthopädisch-unfallchirurgischen Kliniken in Deutschland. Die Fallzahlen, die Erlöse und auch die personelle Ausstattung haben sich etwa verdreifacht.

Heute arbeiten hier über 70 Ärztinnen und Ärzte.

Ich bin besonders stolz darauf, dass viele unserer ehemaligen Mitarbeiter heute Chefärzte sind. Unsere Klinik ist nicht nur ein Ort guter Patientenversorgung, sondern auch eine Kaderschmiede.

UKBmittendrin: Gab es auch schwierige Phasen?

Prof. Burger: Ja, durchaus. Es gab personelle Umbrüche und strukturelle Herausforderungen, die zeitweise zu Unruhe geführt haben. Die Zusammenführung der Kliniken war kein Selbstläufer. Aber letztlich ist es gelungen, Stabilität und eine klare Struktur zu schaffen.

UKBmittendrin: Krankenversorgung, Forschung und Lehre – drei zentrale Säulen der Universitätsmedizin. Würden Sie einen Bereich für sich persönlich stärker gewichten?

Prof. Burger: Im Alltag dominiert eindeutig die Krankenversorgung. Der klinische Druck ist hoch und in den letzten Jahren eher gestiegen.

Lehre mache ich sehr gerne – Vorlesungen, Seminare, Weiterbildung. Aber man muss sich die Zeit bewusst nehmen, damit sie nicht untergeht.

Die Forschung findet häufig zusätzlich statt – oft abends oder am Wochenende. Auch wenn wir eine gut funktionierende Forschungsabteilung haben, entsteht wissenschaftliche Arbeit meist jenseits der regulären Arbeitszeit. Viele habilitieren und publizieren neben der klinischen Tätigkeit. Das gehört zur Realität der Universitätsmedizin.

UKBmittendrin: Wie hat sich Ihr Fach medizinisch entwickelt? Was hat sich verändert – und wohin geht die Entwicklung, insbesondere hier am UKB?

Prof. Burger: Die Entwicklung war rasant. Unser Fach ist nicht nur gewachsen, sondern deutlich komplexer geworden. Es ist uns gelungen, hochkomplexe Fälle der gesamten Region in Bonn zu konzentrieren – sowohl in der Unfallchirurgie als auch in der rekonstruktiven Chirurgie, Handchirurgie und plastischen Wiederherstellung. Der Zulauf nimmt stetig zu.

Auch die Implantattechnologie hat enorme Fortschritte gemacht. Materialien haben sich verändert – von Edelstahl zu Titan, mit deutlich geringerer Allergieneigung und besseren mechanischen Eigenschaften. Moderne Implantate sind stabiler, intelligenter konstruiert und versagen deutlich seltener. Hinzu kommen Navigation und Robotik, die eine immer präzisere Implantatplatzierung ermöglichen. Ein entscheidender Zukunftstrend ist der 3D-Druck.

Ein weiteres großes Feld ist Augmented Reality. Am UKB läuft gerade ein Millionenprojekt, bei dem mithilfe von AR-Brillen Operationen virtuell simuliert werden können. Studierende und Assistenzärzte können Eingriffe realitätsnah trainieren, inklusive Instrumentenführung und haptischem Feedback. Die chirurgische Ausbildung wird dadurch grundlegend verändert.

UKBmittendrin: Was würden Sie jungen Medizinerinnen und Medizinern in Ihrem Fach mit auf den Weg geben?

Prof. Burger: Wer an der Universität Karriere machen und später Führungsverantwortung übernehmen möchte, sollte früh planen. Gute Patientenversorgung ist selbstverständlich – aber man sollte sich auch wissenschaftlich engagieren und von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen lernen.

Früher konnte man die gesamte Breite operieren. Heute ist das kaum noch möglich. Unser Fach ist zu groß und zu komplex geworden. Deshalb ist Spezialisierung entscheidend: Schulter, Knie, Wirbelsäule, Tumorchirurgie oder andere Schwerpunkte.

Und ja: Fleiß ist weiterhin unerlässlich.

UKBmittendrin: Neben der fachlichen Kompetenz – welche sozialen Kompetenzen sind heute wichtig?

Prof. Burger: Kommunikation steht an erster Stelle. Viele fachlich hervorragende Mediziner haben hier Defizite. Gute Gespräche zu führen, schlechte Nachrichten empathisch zu überbringen oder überzeugend zu präsentieren – all das ist entscheidend.

Patientinnen und Patienten können nicht beurteilen, wie gut ich operiere. Sie beurteilen, wie ich mit ihnen spreche und umgehe.

Empathie ist daher genauso wichtig wie fachliche Kompetenz. Früher galt der Arzt als „Gott in Weiß“. Heute erwarten Menschen verständliche Kommunikation und menschliche Zuwendung.

UKBmittendrin: Mit welchem Gefühl gehen Sie in den Ruhestand?

Prof. Burger: Ehrlich gesagt fühlt es sich gar nicht wie Ruhestand an. Ich werde weiterhin in einer Privatklinik tätig sein. Ganz aufzuhören könnte ich mir derzeit nicht vorstellen.

Sport spielt für mich eine große Rolle. Außerdem interessiere ich mich für Technik, Reisen und halte weiterhin internationale Vorträge. Mein Alltag wird sich sicherlich verändern, aber ich blicke sehr zufrieden auf meine Zeit am UKB zurück.

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