Wie UKB-Mitarbeitende aus verschiedenen Ländern die Weihnachtszeit erleben
Was bedeutet Weihnachten für Menschen, die aus unterschiedlichen Kulturen stammen? Wir haben vier Kolleg*innen mit ganz verschiedenen Herkunftsgeschichten gefragt, wie in ihren Heimatländern Weihnachten oder der Jahreswechsel begangen werden, welche Bräuche sie nach ihrer Ankunft in Deutschland übernommen haben und welche eigenen Traditionen ihnen besonders am Herzen liegen.
Sebiha Balyemez (Türkei)
Reinigungsservice
Wie feiert man in Ihrem Heimatland traditionell Weihnachten oder den Jahreswechsel?
In meinem Heimatland leben Menschen unterschiedlichen Glaubens, und entsprechend unterschiedlich werden diese Feste gefeiert. Für mich persönlich spielen Weihnachten und auch der Jahreswechsel keine besondere Rolle, und ich feiere sie nicht.
Haben Sie in Deutschland bestimmte deutsche Weihnachts- oder Silvesterbräuche übernommen? Wenn ja, welche – und was gefällt Ihnen daran besonders?
Ja, einige deutsche Weihnachtsbräuche habe ich sehr gern übernommen. Besonders mag ich die Besuche auf dem Weihnachtsmarkt – die Atmosphäre ist einfach schön. Zu Hause stelle ich auch einen kleinen Tannenbaum auf, und ein Adventskalender gehört für mich inzwischen – wenn auch nicht jedes Jahr – ebenfalls dazu. Außerdem schenke ich den Erzieherinnen in der Kita meines Sohnes zu Weihnachten eine kleine Aufmerksamkeit. Meinen deutschen Freunden und Bekannten wünsche ich selbstverständlich frohe Weihnachten.
Gibt es etwas Typisches aus Ihrem Heimatland, das für Sie an Weihnachten oder Silvester einfach dazugehört?
Ich feiere das traditionelle Zuckerfest und das Opferfest und verbinde das Schenken mit diesen Festen. Wir beschenken uns gegenseitig – das ist für mich ein besonders wichtiger und schöner Brauch, den ich sehr schätze.
Carmen Zimmermann-Chammas (Libanon)
International Medical Service
Wie werden in Ihrem Heimatland, dem Libanon, Weihnachten oder der Jahreswechsel gefeiert?
Der Libanon ist religiös sehr vielfältig, und da es viele Christen gibt, wird Weihnachten dort besonders groß gefeiert. Am Heiligabend kommt der Weihnachtsmann und verteilt die Geschenke an die Kinder. Diese werden meist in Geschäften gekauft, die dann auch einen Weihnachtsmann organisieren, der sie verteilt. Die ganze Familie kommt zusammen – oft sind beide Großeltern bei den Kindern, sodass wirklich alle gemeinsam feiern. Das Essen ist typisch libanesisch: Tabbouleh darf nicht fehlen, dazu gibt es Meza mit vielen verschiedenen Vorspeisen. Anschließend folgt ein warmes Hauptgericht, zum Beispiel Braten oder gefülltes Hähnchen mit Reis und Gemüse. Häufig wird auch libanesischer Wein serviert, da im Libanon selbst Wein angebaut und produziert wird.
Haben Sie in Deutschland bestimmte Weihnachts- oder Silvesterbräuche übernommen? Wenn ja, welche – und was gefällt Ihnen daran besonders?
In Deutschland feiere ich Weihnachten eher ruhig, meist mit meiner Tochter und Freunden. Dieses Jahr erwarten wir zusätzlich Besuch bei uns zu Hause. Der größte Unterschied zum Libanon ist für mich die Atmosphäre: Während der Heiligabend dort oft wie eine große Party gefeiert wird, ist Weihnachten in Deutschland deutlich besinnlicher und entspannter.
Gibt es etwas Typisches aus Ihrem Heimatland, das für Sie an Weihnachten oder Silvester einfach dazugehört?
Vor allem an Silvester zeigt sich der libanesische Lebensstil sehr deutlich: Die jungen Leute gehen aus, es gibt große Partys, volle Restaurants, oft mit Live-Gesang und Bauchtanz. Um Mitternacht findet ein großes Feuerwerk statt. Eigentlich kann man sagen: Im Libanon gibt es immer einen Grund zu feiern – und fast immer eine Party.

Anton Bereznytskyi (Ukraine)
GB6 – Technischer Dienst, Eventmanagement
Wie feiert man in Ihrem Heimatland traditionell Weihnachten oder den Jahreswechsel?
In der Ukraine feiert man traditionell das orthodoxe Weihnachten am 7. Januar. Die Festlichkeiten beginnen mit dem Heiligen Abend am 6. Januar, einem wichtigen Familienfest. Man bereitet zwölf Fastengerichte zu, die für die zwölf Apostel stehen. Die gemeinsame Mahlzeit beginnt, sobald der erste Stern am Himmel erscheint.
Typisch sind auch Weihnachtslieder wie Koljadky und Schedriwky. Viele Menschen gehen von Haus zu Haus, um Weihnachtsgrüße zu bringen, Glück fürs neue Jahr zu wünschen und die Geburt Christi zu verkünden. Dadurch entsteht eine warme, gemeinschaftliche Stimmung. Beim Treffen mit Familie, Nachbarn oder Freunden begrüßt man sich oft mit den Worten: „Christus ist geboren!“ – „Lasst uns Ihn preisen!“ (ukrainisch: „Христос народився! — Славімо Його!“).
Seit kurzem wurde das Weihnachtsdatum offiziell auf den 25. Dezember verlegt, sodass man nun ähnlich wie in Europa am gleichen Tag Weihnachten feiern kann.
Haben Sie in Deutschland bestimmte deutsche Weihnachts- oder Silvesterbräuche übernommen? Wenn ja, welche – und was gefällt Ihnen daran besonders?
Ja. Ich habe zwei deutsche Weihnachtstraditionen übernommen:
1. Adventskalender. Er begleitet mich den ganzen Dezember und macht jeden Tag mit einer kleinen Süßigkeit oder Überraschung besonders. Diese Tradition gefällt mir, weil sie eine warme, fröhliche Vorfreude auf Weihnachten schafft.
2. Die „Weihnachtsgurke“ am Tannenbaum – ein verstecktes Ornament in Form einer Gurke. Wer sie zuerst findet, soll im nächsten Jahr Glück haben oder ein kleines Extra-Geschenk bekommen. Ich finde diese Tradition humorvoll und spielerisch.

Gibt es etwas Typisches aus Ihrem Heimatland, das für Sie an Weihnachten oder Silvester einfach dazugehört?
Ein klassisches ukrainisches Weihnachtsgericht ist Kutja – ein süßer Brei aus Weizen oder Dinkel, mit Mohn, Honig und Nüssen. Mit Kutja beginnt traditionell das Festessen.
Ein typisches Getränk ist Uswar, ein gekochtes Getränk aus getrockneten Früchten, das ohne Zucker zubereitet wird und einen warmen, natürlichen Geschmack hat.
Besonders berühmt ist die ukrainische Schedriwka „Schtschedryk“, eine Volksmelodie, die von Mykola Leontowytsch kunstvoll für Chor bearbeitet wurde. Durch diese Chorbearbeitung wurde sie weltweit bekannt. Später entstand die englischsprachige Version „Carol of the Bells“, die heute in vielen Filmen und Konzerten zu Weihnachten erklingt.
Daria Siverina (Russland)
Kommunikation und Medien
Wie feiert man in Ihrem Heimatland traditionell Weihnachten oder den Jahreswechsel?
Weihnachten wird in Russland traditionell am 7. Januar gefeiert. Es ist vor allem ein religiöses Fest mit Gottesdiensten und ruhigen Familienfeiern. Ich persönlich feiere das russische Weihnachten nicht, dafür aber Silvester, das in Russland eine Mischung aus europäischen Weihnachtsbräuchen und Neujahrsfeierlichkeiten darstellt, was historische Gründe hat. Es ist das Fest, bei dem sich Familien und Freunde treffen, gemeinsam essen und trinken, Geschenke austauschen und Feuerwerke anschauen. Den „Weihnachtsbaum“ gibt es daher zu Silvester, und Geschenke werden vom Väterchen Frost gebracht.
Haben Sie in Deutschland bestimmte deutsche Weihnachts- oder Silvesterbräuche übernommen? Wenn ja, welche – und was gefällt Ihnen daran besonders?
Ja, den Weihnachts- und gleichzeitig Neujahrsbaum stelle ich eine Woche vor Weihnachten auf. Und Geschenke gibt es dann eben zweimal – am 24. Dezember und am 1. Januar, was meinen Sohn besonders freut. So genießt man die feierliche Stimmung natürlich länger.
Gibt es etwas Typisches aus Ihrem Heimatland – wie ein Gericht, ein Getränk oder einen kleinen Brauch – das für Sie an Weihnachten oder Silvester einfach dazugehört?
Es gibt viele typische Silvestergerichte, die bei meinen deutschen Freunden zunächst für Verwirrung gesorgt haben, z. B. Hering im Pelzmantel – ein deftiger Salat mit ganz viel Mayonnaise. Mir ist vor allem wichtig, dass die ganze Familie sich am 31. Dezember sieht und gemeinsam feiert – selbstverständlich sind auch Freunde willkommen. Pünktlich um Mitternacht schreibe ich einen Wunsch fürs neue Jahr auf einen kleinen Zettel, verbrenne ihn, mische die Asche in mein Sektglas und trinke es aus – für den gesamten Brauch habe ich dabei nur eine Minute und hoffe, dass dieser Wunsch dann in Erfüllung geht.