Bonner Forschende entwickeln eine neue Methode zur Entfernung von Zellen, die Blutkrebs auslösen können
Damit innovative Ideen aus der Forschung schnell zu marktreifen Produkten und Lösungen werden, setzt NRW auf Kooperationen von Wissenschaft und Unternehmen. In der aktuellen vierten Runde des Wettbewerbs „NRW-Patent-Validierung“ wurde unter 14 herausragenden Projekten das „Targeted Protein Degradation“ zur Förderung ausgewählt. Die Patentanmeldung wurde von PROVENDIS koordiniert. Prof. Radosław Nowak vom Institut für Strukturbiologie und ImmmunoSennsation2 sprichtmitukb-mittendrin über Ziele und Motivation seines Teams, das im Rahmen des Projekts eng mit Prof. Michael Gütschow und Dr. Christian Steinebach vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn zusammenarbeitet.
UKBmitendrin: Worum geht es in Ihrem Projekt, Herr Prof. Nowak?
Prof. Nowak: Unser Projekt konzentriert sich auf die Entwicklung einer neuen Behandlungsstrategie für Blutkrebs, insbesondere Lymphome. Diese Krebsarten entstehen, wenn bestimmte Immunzellen beginnen, unkontrolliert zu wachsen. Viele derzeitige Therapien zielen darauf ab, dieses Wachstum zu verlangsamen, indem sie Signalwege in Krebszellen blockieren. Unser Ansatz verfolgt einen anderen Weg: Wir verwenden eine Methode namens „Targeted Protein Degradation” – übersetzt „gezielter Proteinabbau“, um wichtige Proteine, die das Überleben von Lymphomzellen fördern, aktiv zu entfernen. Anstatt diese Proteine nur zu deaktivieren, bringen wir die Zelle dazu, sie vollständig zu entsorgen.
UKBmitendrin: Was sind die Vorteile?
Prof. Nowak: Diese Strategie könnte dazu beitragen, einige der Einschränkungen bestehender Lymphombehandlungen zu überwinden. Da das krankheitsrelevante Protein nicht nur gehemmt, sondern vollständig eliminiert wird, könnte die Wirkung länger anhalten und selektiver sein. Darüber hinaus könnte dieser Ansatz es uns ermöglichen, Proteine anzugehen, die bisher als „nicht medikamentös behandelbar” galten, und damit neue Optionen für Betroffene bieten, deren Krebserkrankungen nicht auf verfügbare Therapien ansprechen. Langfristig könnte dies zu besseren Behandlungsergebnissen und möglicherweise weniger Nebenwirkungen führen.
UKBmitendrin: Was motiviert Sie?
Prof. Nowak: Die Dringlichkeit. Wir möchten den Patientinnen und Patienten so schnell wie möglich Behandlungsmöglichkeiten anbieten. 33 Prozent der Fälle von B-Zell-Lymphomen, eine besonders aggressive Art von Blutkrebs, werden therapieresistent oder rückfällig, sodass ein hoher medizinischer Bedarf besteht, Behandlungen für diese Fälle zu entwickeln.

Bildunterschrift: Das Forschungsteam um Prof. Radosław Nowak
Bildnachweis: Rolf Müller / Universitätsklinikum Bonn (UKB)