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Dunkel Hell

Prof. Julian Luetkens ist neuer Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am UKB

Mit Prof. Julian Luetkens hat die Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am UKB seit Kurzem eine neue Leitung, nachdem er die Funktion bereits 2024 kommissarisch übernommen hatte. Im Interview spricht er darüber, welche zentrale Rolle die Radiologie im Klinikalltag spielt, wie moderne Bildgebung Diagnosen beschleunigt und welche Pläne er für die Zukunft der Radiologie am UKB hat.

UKBmittendrin: Herr Professor Luetkens, was bedeutet es für Sie, die Radiologie am UKB zu übernehmen?

Prof. Luetkens: Für mich ist das eine große Verantwortung und gleichzeitig eine Aufgabe, auf die ich mich sehr freue. Die Radiologie nimmt im Klinikbetrieb eine besondere Stellung ein: Viele diagnostische Wege beginnen bei uns. Wir bündeln Informationen aus verschiedenen Fachbereichen, geben Orientierung und liefern oft die entscheidenden Hinweise für die weitere Diagnose oder Behandlung.
In gewisser Weise sind wir eine Art „Flughafendrehkreuz“ im Krankenhaus – und manchmal auch Detektive, wenn zum Beispiel zunächst unklar ist, welche Ursache die Beschwerden einer Patientin oder eines Patienten haben. Diese zentrale Rolle möchte ich weiter stärken und strukturell ausbauen.

UKBmittendrin: Welche Schwerpunkte möchten Sie in den kommenden Jahren setzen – fachlich und strukturell?

Prof. Luetkens: Die Radiologie wird in den nächsten Jahren deutlich digitaler, schneller und präziser werden. Moderne KI-Verfahren helfen uns bereits heute, Bildgebung zu beschleunigen und sogenanntes Bildrauschen zu reduzieren – also diese feinen, körnigen Unschärfen, die bei schnellen MRT- oder CT-Sequenzen entstehen können. Gleichzeitig werden KI-Tools in Zukunft vermehrt die Befundung unterstützen, indem sie Muster erkennen oder ergänzende Hinweise liefern, die wir anschließend ärztlich bewerten. Künftig wird auch die automatisierte Erstellung von Befundtexten Teil des ganz normalen Arbeitsalltags sein.

Wichtig ist mir außerdem die stärkere organbasierte Ausrichtung der Radiologie, sodass für jede Fragestellung ein Spezialist die bestmögliche Antwort liefern kann: Wir bauen weiter spezialisierte Teams auf – etwa für Interventionen, Kinderradiologie, Herzbildgebung, für die Bildgebung von Gelenken und der Wirbelsäule sowie für die onkologische Bildgebung. Hier wollen wir künftig einen weiteren Schwerpunkt am UKB setzen. Präzise Bildgebung ist entscheidend, um Tumorerkrankungen früh zu erkennen, Therapien zu steuern und Verläufe zu kontrollieren. Mit dem neuen Herzzentrum entstehen darüber hinaus moderne Räume für die interventionelle Radiologie, was uns neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten eröffnet.

UKBmittendrin: Sie sprechen häufig von einem „Radiologiezentrum“. Was ist damit gemeint?

Prof. Luetkens: Am UKB sind derzeit noch mehrere radiologische Bereiche getrennt voneinander organisiert, insbesondere die beiden radiologischen Kliniken: die Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie sowie die Klinik für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie und Kinderneuroradiologie. Unser Ziel ist es, diese Bereiche künftig enger zu verzahnen und in einem gemeinsamen Radiologiezentrum zu bündeln.

Den einen Radiologen, der alles kann, gibt es nicht mehr, dafür ist das Fach – und auch die Medizin – in den letzten Jahrzehnten zu komplex geworden. Wir müssen Expertise künftig bündeln, damit wir für jede Fragestellung zu jeder Zeit die bestmögliche diagnostische Qualität anbieten können. Dies hat auch Vorteile für die Bereitstellung von Untersuchungskapazitäten. Die Prozesse des Zentrums sollen im Hintergrund ablaufen und für die Kliniken sowie für Patientinnen und Patienten möglichst eingängig und intuitiv sein.

Ein solches Zentrum würde nicht nur unsere Spezialisierung stärken, sondern auch die Zusammenarbeit mit den Kliniken verbessern, die besonders stark von moderner Bildgebung abhängig sind – allen voran die Onkologie, die Herzmedizin und die Neurologie. Auch Patientinnen und Patienten sowie zuweisende Kolleginnen und Kollegen würden deutlich profitieren.

UKBmittendrin: Was ist Ihnen persönlich in der Arbeit mit Ihrem Team und dem radiologischen Nachwuchs wichtig?

Prof. Luetkens: Radiologie lebt von Menschen, die neugierig sind, sich jeden Tag für neue medizinische Fragestellungen begeistern können, neue Technologien nutzen und Freude an moderner Medizin haben. Deshalb setze ich auf strukturierte Weiterbildung, klare Lernpfade und ein Arbeitsumfeld, das beispielsweise moderne Modelle wie Remote Scanning ermöglicht. Junge Ärztinnen und Ärzte, aber auch MTRs, sollen früh sehen, wie spannend und vor allem vielfältig Radiologie ist – von der Diagnostik bis hin zu interventionellen Möglichkeiten bei vielen Erkrankungen. Zugleich besitzt das Fach eine inhärente Dynamik, sich ständig neu zu erfinden und weiterzuentwickeln, was wissenschaftliche Arbeiten fördert und jungen Menschen vielfältige Möglichkeiten eröffnet, sich aktiv in der Wissenschaft zu engagieren.

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