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Dunkel Hell

Selbstbewusstsein der Frauen in das eigene Können stärken

Am 8. Juli 2024 wurde das deutschlandweit erste Prodekanat für wissenschaftliche Infrastruktur und Nachhaltigkeit im Medizinischen Dekanat gegründet. Im Interview spricht Prodekanin Prof. Dagmar Wachten über die Aufgaben sowie Ziele des neuen Arbeitsbereichs sowie die Herausforderungen und Lösungswege für Frauen in Führungspositionen.

UKBmittendrin: Sie haben eine führende Position im Prodekanat für wissenschaftliche Infrastruktur und Nachhaltigkeit übernommen. Was hat Sie motiviert, in diesem Bereich tätig zu werden, und welche Erfahrungen haben Sie auf Ihrem Weg dorthin gemacht?

Prof. Wachten: Bereits seit ein paar Jahren habe ich die Dekanatskommission für Core Facilities und den Bonn Technology Campus (Life Sciences) geleitet. Da dieser Bereich immer mehr wuchs, wurde ein neues Prodekanat für wissenschaftliche Infrastruktur im Sommer 2024 eingerichtet und mit einer neuen Thematik, der Nachhaltigkeit, verknüpft. Da mir beide Themen sehr am Herzen liegen, habe ich mich gefreut, dass mir angeboten wurde, dieses Prodekanat zu übernehmen. Und das Ganze in Arbeitsteilung, d. h. ich teile mir das Prodekanat mit Prof. Heinz Beck, der die Kommission vor mir geleitet hat und den Bonn Technology Campus gegründet hat. Durch diese Arbeitsteilung ist es uns beiden möglich, unsere anderen Ämter und Aufgaben weiter auszuführen und zu erfüllen. Der Bereich der Nachhaltigkeit ist auch für mich neu, aber hier ist jeder von uns intrinsisch sehr motiviert, und ich habe über die letzten drei Jahre bereits ein größeres Projekt in diesem Bereich ins Leben gerufen – eine Museumsausstellung im Museum Koenig zum Thema „What the health – eine Welt, deine Gesundheit“. Da der Technologie-Bereich auch ein großes Nachhaltigkeitspotential beinhaltet, versuchen wir, diese beiden Bereiche eng miteinander zu verknüpfen.

UKBmittendrin: Als Frau in einer Führungsposition – welche Herausforderungen haben Sie in Ihrer Karriere erlebt und wie haben Sie diese gemeistert?

Prof. Wachten: Egal, welche Herausforderungen ich in Führungspositionen erlebt habe – der beste Weg, damit umzugehen, war immer, durch Leistung und Einsatz zu überzeugen. Dann war und ist das Geschlecht egal. Da Frauen in Führungspositionen in einigen Bereichen unterrepräsentiert sind und die Aufgaben daher selten weniger werden, ist eine Herausforderung sicher weiterhin, „nein“ zu sagen. Eine realistische Einschätzung dessen, was wirklich möglich ist und was ich leisten kann, hat das zumindest einfacher gemacht.

In den letzten Jahren ist sehr viel im Bereich der Gleichstellung passiert, sodass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch in Führungspositionen berücksichtigt wird. Daher sind die spezifischen Herausforderungen sicher weniger geworden und ich bin zuversichtlich, dass diese in Zukunft minimiert werden können. Das Wichtigste ist dabei meiner Meinung nach, dass man das Selbstbewusstsein der Frauen in das eigene Können als Führungsperson stärkt, aber auch akzeptiert, dass es viele Frauen gibt, die trotz Fördermaßnahmen diesen Weg nicht gehen wollen.

UKBmittendrin: Welche Rolle spielte das Thema Nachhaltigkeit in Ihrem persönlichen Werdegang? Gab es einen bestimmten Moment oder eine Erfahrung, die Ihre Leidenschaft für dieses Thema geweckt hat?

Prof. Wachten: Im privaten Bereich versuchen wir, es schon länger in unterschiedlichen Aspekten zu berücksichtigen. Im beruflichen Bereich ist es oft schwieriger, Veränderungen herbeizuführen, wenn man nicht selbst entscheiden kann. Wichtig ist vor allem das Verständnis für das Thema. Durch die Konzeption und Umsetzung der Ausstellung im und mit dem Museum Koenig sowie der Universitätsstiftung Bonn und den verschiedenen Forschungsverbünden an der Universität habe ich sehr viel gelernt. Es hilft nicht, immer mit dem erhobenen Finger auf die Leute einzuwirken, sondern konkret ins Handeln zu kommen und Projekte zu initiieren. Im Prodekanat kann ich nun mitentscheiden und konkret Projekte entwickeln, wodurch der Nachhaltigkeitsgedanke auch im täglichen beruflichen Bereich angekommen ist.

UKBmittendrin: Was bedeutet es für Sie, als Frau in einer Führungsposition innerhalb der akademischen Welt tätig zu sein, besonders im Bereich Technologie und Nachhaltigkeit?

Prof. Wachten: Ich freue mich darüber, dass wir im Dekanat nun einen höheren Frauenanteil in Führungspositionen haben. Der Technologiebereich ist oft nicht durch Frauen vertreten, was aber vermutlich eher am Interesse und an der Ausbildung der einzelnen Personen liegt. Für mich persönlich in der Position macht es keinen Unterschied, da es meiner Meinung nach am wichtigsten ist, dass man ausreichend Expertise in dem Bereich hat und es der Person gelingt, innerhalb der Fakultät diesen Bereich so zu vertreten, dass es alle voranbringt.

UKBmittendrin: Nachhaltigkeit ist ein zentraler Schwerpunkt Ihrer Arbeit im Prodekanat. Wie definieren Sie Nachhaltigkeit im Kontext der Universität Bonn und des UKB und welche Ziele verfolgen Sie im Dekanat in Bezug auf dieses Thema?

Prof. Wachten: Sowohl an der Universität als auch am UKB ist das Thema Nachhaltigkeit bereits sehr gut repräsentiert. Wir im Prodekanat versuchen hier, die Schnittstelle zwischen Uni und UKB zu bilden, aber auch eigene Projekte und Ideen einzubringen. Heinz Beck und mir ist die Nachhaltigkeit im Laborbereich sehr wichtig. Daher haben wir das LEAF-Projekt initiiert, in dem die Nachhaltigkeit im Laborbereich zertifiziert wird. Das ist der erste Hebel, um weitere Projekte in diesem Bereich umzusetzen. Auch muss es uns gelingen, den Bereich Technologie und Nachhaltigkeit zu verknüpfen. Auch hier sind bereits erste Projekte angelaufen, sodass das erste halbe Jahr schon sehr produktiv war.

UKBmittendrin: Was sind die größten Herausforderungen, die Sie in Ihrer Rolle im Prodekanat für Nachhaltigkeit begegnen, und wie gehen Sie mit ihnen um?

Prof. Wachten: Man stößt eine Sache an und es eröffnen sich zehn neue Dinge, die alle adressiert werden müssen, damit Projekte umgesetzt werden können. Das ist die größte Herausforderung, die ich momentan sehe, da dabei oft unterschiedliche Organisationsstrukturen zusammenarbeiten müssen und die Kommunikation und Verantwortlichkeiten erst etabliert werden müssen.

UKBmittendrin: Nachhaltigkeit ist ein sehr breites Feld – wie gelingt es Ihnen, dieses Thema in den verschiedenen Bereichen der Uni und des UKB zu integrieren, von der Lehre bis hin zur Forschung und Verwaltung?

Prof. Wachten: Wir haben ein tolles Team im Prodekanat, das die Projekte betreut und die Kommunikation mit allen genannten Bereichen beinhaltet. Hinzu kommt, dass es etablierte Strukturen wie die Nachhaltigkeitsversammlung oder -kommission gibt, sodass ein reger Austausch mit allen Parteien regelmäßig stattfindet.

UKBmittendrin: Welche Visionen und Ziele haben Sie persönlich für die Zukunft des UKB und der Uni in diesem Bereich?

Prof. Wachten: Wir stehen vor großen finanziellen Herausforderungen, die auch die Investitionen im Technologiebereich beeinflussen. Umso wichtiger ist es, hier ein klares, aber auch nachhaltiges Konzept zu entwickeln, das die Interessen so vereint, dass wir weiterhin als Spitzenstandort Forschung machen können.

UKBmittendrin: Zum Abschluss: Was würden Sie jungen Frauen, die eine Karriere in der Wissenschaft oder in Führungspositionen anstreben, raten?

Prof. Wachten: Von anderen Personen in Führungspositionen lernen. Dabei ist es nicht unbedingt notwendig, eine Frau als Vorbild zu wählen. Ein Mentor oder eine Mentorin kann sehr hilfreich sein, diesen Weg zu begleiten.

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