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Dunkel Hell

Interview mit Catrin Thelen, Gleichstellungsbeauftragte des UKB

Catrin Thelen ist seit neun Jahren am UKB und seit Oktober 2023 die Gleichstellungsbeauftragte für die Beschäftigten des UKB. Sie engagiert sich sowohl für die Verbesserung der Chancengleichheit als auch für ein respektvolles, diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld.

Mit zahlreichen Projekten und dem stetigen Austausch in Netzwerken sorgt Catrin Thelen dafür, dass das UKB nicht nur in der medizinischen Forschung, sondern auch in Sachen Gleichstellung und Diversität eine Vorbildfunktion übernimmt. Im Gespräch berichtet sie über ihre definierte Rolle, anstehende Projekte und ihre Ziele.

UKBmittendrin: Welche Aufgaben übernimmt eine Gleichstellungsbeauftragte und wie gestalten Sie Ihre Arbeit?

C. Thelen: Meine Position als Gleichstellungsbeauftragte am UKB wird vor allem durch das Landesgleichstellungsgesetz (LGG NRW) definiert. Im Wesentlichen habe ich eine Unterstützungs-, Mitwirkungs- und Kontrollfunktion hinsichtlich der Gleichstellung von Mann und Frau und muss an allen personellen, sozialen und organisatorischen Maßnahmen des UKB beteiligt werden. Dabei ist festgelegt, dass ich als Gleichstellungsbeauftragte fachlich weisungsfrei tätig bin.

Gleichstellung ist eine Querschnittsaufgabe, die sich vom Einstellungsprozess über die Beratung zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis hin zur finalen Bauplanung im Bestands- oder Neubau zieht. Aufgrund der Vielzahl an Einstellungen und Projekten setze ich hier bewusst den Fokus auf Bereiche, die ich vielleicht noch nicht kenne, in denen ich aufgrund meiner Erfahrung schwierige Situationen vermute, mich ggfs. schon Beschwerden erreicht haben oder in denen ich direkt beteiligt und um Unterstützung gebeten werde.

Darüber hinaus bin ich als beratendes Mitglied Teil des Aufsichtsrates und in vielen Netzwerken aktiv und vertrete dort das UKB. So treffe ich mich zum Beispiel regelmäßig mit meinen Kolleginnen an den anderen Unikliniken des Landes NRW, um relevante Themen standortübergreifend voranzutreiben. Ich bin aber auch in weiteren Gremien aktiv, beispielsweise als Mitglied der Landeskonferenz sowie der Bundeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten und hier dann in den verschiedenen Kommissionen tätig wie z. B. sexualisierte Diskriminierung im Arbeitsumfeld. Kurzum: Ich setze mich für Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Chancengerechtigkeit und Vielfalt ein und kämpfe gegen Diskriminierung und sexuelle Belästigung. Gemeinsam mit ganz vielen wunderbaren Kolleginnen und Kollegen gestalte ich den Arbeitsplatz der Zukunft mit.

UKBmittendrin: Gleichstellung wird heute oft im Kontext von DEI – Diversity, Equity, Inclusion diskutiert. Wie definieren Sie diese drei Buchstaben für Ihren Einsatz am UKB?

C. Thelen: DEI ist für mich der Dreiklang innerhalb unseres Klinikums. Vielfalt (Diversity) ist die Bestandsaufnahme: Wer ist am UKB im Einsatz? Unsere Kolleg*innen kommen mittlerweile aus über 100 Nationen.
Gerechtigkeit (Equity) ist das Ziel: Haben z. B. alle die gleichen Startbedingungen am UKB, oder müssen wir unterstützend tätig werden?
Und Inklusion ist die tägliche Praxis: Fühlen sich alle zugehörig zum UKB? Wird die „andere“ Perspektive am Bett oder OP-/Tisch nicht nur geduldet, sondern aktiv eingebunden oder eingefordert? Inklusion heißt auch, dass wir Diversität über das Geschlecht hinausdenken – also Alter, Herkunft, sexuelle Identität oder Einschränkung mit einbeziehen. Ich bin mir sicher, dass wenn wir die Vorteile unserer Vielfältigkeit aktiv nutzen, unser Klinikum in der Attraktivität als Arbeitgeber und als Maximalversorger für unsere Patient*innen auch zukünftig an Strahlkraft gewinnt.

Gerade mit Blick auf unsere Vielfalt ist ein aktuelles Thema auf unserem Campus die zunehmende Verrohung der Gesellschaft und wie wir darauf reagieren und unsere Mitarbeitenden gegen unangemessenes Verhalten oder gar Gewalt von außen schützen können. Perspektivisch muss ein Gewaltschutzkonzept am UKB implementiert und entsprechende präventive Maßnahmen etabliert werden.

Daher ist es auch wichtig, alle Mitarbeitenden regelmäßig und verpflichtend durch Schulungen zu den verschiedenen Diskriminierungsformen zu sensibilisieren und Deeskalationstrainings anzubieten.

Ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld zu schaffen, liegt letztendlich in der Verantwortung aller Mitarbeitenden. Der Vorstand, die personalvertretenden Gremien und die Gleichstellungsbeauftrage schaffen dafür die Strukturen. Gleichzeitig muss auch unseren Patient*innen und deren Angehörigen bewusst sein, dass wir unsere Mitarbeitenden schützen. Hierzu befinden sich entsprechende Kampagnen in Planung.

UKBmittendrin: In welchen Bereichen sehen Sie noch Handlungsbedarf im Bereich Gleichstellung?

C. Thelen: Es gibt viele Fortschritte in der Gleichstellung der Geschlechter, aber auch noch viel Arbeit, die vor uns liegt. Unabhängig vom Geschlecht, muss ein Umdenken in den Köpfen stattfinden. Zum Beispiel indem wir es ganz selbstverständlich Müttern und Vätern ermöglichen, in Teilzeit Führungsaufgaben wahrzunehmen. Was viele vergessen: Eltern – meistens Mütter – leisten rund um die Uhr Care-Arbeit. Für sie ist dann nicht Feierabend; für sie beginnt dann die nächste von vielen Schichten.

Ich möchte, dass diese bewusste oder unbewusste Voreingenommenheit verschwindet und wir offen für neue Modelle werden. Denn nicht nur Mütter, Väter oder Pflegende von Angehörigen, sondern auch die Gen Z hält Teilzeit für ein äußerst attraktives Arbeitsmodell. Das bedeutet auch, die Gestaltung von Arbeit neu zu denken. Unser Vorstand hat bereits erste entsprechende New-Work-Konzepte wie z. B. Flexibilisierung der Arbeitszeit, mobiles Arbeiten, neue Büroraumkonzepte mit Schaffung von Eltern-Kind-Büros auf den Weg gebracht. Zudem wurden im letzten Jahr Kampagnen zur Wertschätzung eingeführt (#Daisy Award & #Youkb). Auch „Keep-in-touch“-Modelle während der Elternzeit werden sich weiterhin etablieren. Ich bin mir sicher, dass weitere Konzepte folgen werden, da deren Umsetzung nicht nur langfristig Mitarbeitende ans UKB bindet, sondern auch Arbeitgeberattraktivität und Wettbewerbsfähigkeit sichert.

Mir ist bewusst, dass ich mich, auch gerade in den medizinischen Bereichen, in sehr traditionellen und hierarchischen Strukturen, die besonders männlich geprägt sind, bewege. Mitunter wird dort die Relevanz von Vielfalt und Gleichbehandlung oft nicht gesehen; Gleichstellungsthemen werden eher belächelt. Aber ein Umdenken findet statt. Klassische „Role Models“ verändern sich, Richtlinien schaffen mehr und mehr ein diskriminierungsfreies Umfeld und Mitarbeitende trauen sich, den Kontakt zu den beratenden Personen am UKB aufzunehmen und für ihre Rechte einzutreten.

In der Gesellschaft und im Arbeitsleben geht es heute nicht mehr nur um die Gleichstellung von Mann und Frau, sondern auch um Diversität und Vielfalt. Vielfalt ist für uns am Klinikum eine Chance und ein großer Mehrwert, ihre Gestaltung kann jedoch herausfordernd sein. Auch hier sehe ich in den kommenden Jahren noch viel Handlungsbedarf.
Chancengleichheit und Diversität sind nicht nur gesellschaftliche Verantwortung – sie sind auch ein zentraler ökonomischer Faktor.

Hinweis: Beratungen in Fragen der Gleichstellung seitens des wissenschaftlichen Personals (Angestellte der Universität) übernimmt die Gleichstellungsbeauftragte der Medizinischen Fakultät Frau Prof. Dagmar Dilloo, Direktorin der Abteilung Pädiatrische Hämatologie/Onkologie.

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