Impressum  |  Datenschutzerklärung  |  Barrierefreiheit
Dunkel Hell

Beim diesjährigen BONFOR-Symposium wurde Anja Rizzuto für ihr Forschungsprojekt zu neuen Therapieansätzen beim Glioblastom mit dem neuen Transfer Award ausgezeichnet.

Mit dem fakultätseigenen Förderprogramm BONFOR unterstützt die Medizinische Fakultät Bonn vielversprechende Nachwuchsforschende beim Start in eine wissenschaftliche Karriere. Beim diesjährigen 24. BONFOR-Symposium wurde erstmals ein Transfer Award der Medizinischen Fakultät Bonn und des UKB für Projekte mit besonderem Potenzial für den Transfer in Klinik, Gesellschaft oder Wirtschaft vergeben. Die Bewertung übernahm eine Jury, die sich aus Expert*innen des Team Transfer der Medizinischen Fakultät und dem Transfer Center enaCom, der zentralen Serviceeinrichtung für Wissens- und Technologietransfer der Universität Bonn, zusammensetzte. Den ersten Preis erhielt Anja Rizzuto, Medizinische Doktorandin an der Klinik für Neuroonkologie, für ihr Projekt „Investigating glioblastoma vulnerabilities using advanced preclinical models and agents targeting intercellular network“. Im Interview spricht die Nachwuchswissenschaftlerin über ihre Faszination für ihre Forschung und deren Potential für die Glioblastom-Behandlung.

UKBmittendrin: Frau Rizzuto, woran haben Sie in Ihrem Projekt gearbeitet?

A. Rizzuto: Ich habe untersucht, wie Tumorzellen über zelluläre Netzwerke und purinerge Signalübertragung miteinander kommunizieren. Bei der purinergen Signalübertragung nutzen Zellen Purine als Botenstoffe zur Informationsübertragung. Zu dieser Stoffgruppe gehört unter anderem das als Zell-Energielieferant bekannte ATP, das außerhalb der Zelle jedoch als Signalmolekül fungiert. Diese Kommunikation kann das Tumorwachstum fördern und zur Resistenz gegenüber Krebstherapien beitragen. Ziel meiner Forschung ist es, diese Kommunikationswege besser zu verstehen und neue Ansatzpunkte für wirksamere Behandlungsstrategien zu identifizieren.

UKBmittendrin: Was hat Sie motiviert, sich mit diesem Thema zu beschäftigen?

A. Rizzuto: Das Glioblastom ist der aggressivste primäre Hirntumor bei Erwachsenen. Es hat eine schlechte Prognose, trotz der derzeitigen Standardtherapie, die eine maximal sichere chirurgische Tumorentfernung gefolgt von Strahlen- und Chemotherapie umfasst. Angetrieben von dem dringenden Bedarf an wirksameren Therapien war ich motiviert, neue therapeutische Schwachstellen zu untersuchen, in der Hoffnung, dass diese Arbeit zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien beitragen und letztendlich die Behandlungsergebnisse für Menschen verbessern kann, die von dieser verheerenden Krankheit betroffen sind.

UKBmittendrin: Was sind Ihre wichtigsten Ergebnisse?

A. Rizzuto: Wir haben eine vielversprechende therapeutische Schwachstelle beim Glioblastom identifiziert, indem wir auf die purinerge Signalübertragungabzielten – eine wie anfangs bereits beschrieben Art der Zellkommunikation mithilfe von Signalmolekülen wie ATP. Ein Wirkstoffkandidat zeigte in unseren präklinischen Modellen bereits bei niedrigen Konzentrationen eine vielversprechende Antitumoraktivität. Diese Ergebnisse bilden eine solide Grundlage für die zukünftige translationale Forschung und die Entwicklung neuartiger therapeutischer Strategien.

UKBmittendrin: Welches Potenzial sehen Sie für die Umsetzung in die praktische Anwendung?

A. Rizzuto: Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend und unterstützen die Weiterentwicklung dieser therapeutischen Strategie. Sollten sich diese Ergebnisse in weiteren präklinischen Untersuchungen bestätigen, hat dieser Ansatz das Potenzial, in klinischen Studien zu überzugehen und langfristig zu neuen Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten mit Glioblastom beizutragen.

UKBmittendrin: Inwiefern könnte dies für die Behandlung von Betroffenen von Bedeutung sein?

A. Rizzuto: Durch die Identifizierung eines neuen therapeutischen Angriffspunkts, eröffnet unsere Forschung den Weg zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien für das Glioblastom und zu einem besseren Verständnis der Tumorbiologie. Zwar sind weitere Studien erforderlich, doch hoffe ich, dass diese Erkenntnisse letztendlich zu wirksameren Therapien und besseren Behandlungsergebnissen für Patientinnen und Patienten in der Zukunft beitragen werden.

Transfer-Übergabe (von links nach rechts): Dr. Florentin Schmidt, Anja Rizzuto, Johanna Steinke, Elisa Keller Dr. Julia Pawlick. Bildautor: Dr. Burak Bali

UKBmittendrin: Was bedeutet Bonfor für Sie?

A. Rizzuto: Bonfor hat mir die Möglichkeit gegeben, sinnvolle translationale Forschung zu betreiben, indem mir die nötige Zeit zur Verfügung gestellt wurde, mich voll und ganz diesem Projekt zu widmen. Diese Unterstützung hat es mir ermöglicht, mich ganz in die wissenschaftliche Forschung zu vertiefen, und war eine unglaublich wertvolle und bereichernde Erfahrung, für die ich zutiefst dankbar bin.


Bild links: Anja Rizzuto untersucht Angriffspunkte des Glioblastoms, die auf interzelluläre Netzwerke und die purinerge Signalübertragung abzielen. Bildautor: Rolf Müller

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert